Nr.3 / 2012

Stadtbibliothek aktuell

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir freuen uns, Ihnen heute unseren Newsletter "in einem neuen Kleid" präsentieren zu können. Wir hoffen, dass er Ihnen sowohl optisch wie auch inhaltlich gut gefällt.
Technisch ist er für uns eine kleine Herausforderung. Wir bitten Sie deshalb, uns zu melden, wenn Texte oder Bilder nicht sauber bei Ihnen dargestellt werden.
Wie immer sind wir für Ihre Anregungen offen und dankbar für Ihre Rückmeldungen.

Wir wünschen Ihnen angenehme Herbsttage und empfehlen Ihnen für kühle Abendstunden spannende Lektüre aus der Stadtbibliothek. 

Mit besten Grüßen aus der Stadtbibliothek

Martina Dannert
Bibliotheksleiterin

Neues aus der Bibliothek

Jetzt auch montags offen

Die Stadtbibliothek am Markt inkl. Kinder- und Jugendbereich ist ab 1. Oktober auch montags geöffnet. Besucherinnen und Besucher haben nun Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr und Samstag von 10 bis 15 Uhr die Möglichkeit, Titel auszuleihen, im Sortiment zu schmökern, in Zeitschriften zu blättern, die Internetterminals zu nutzen oder einfach bei einer Tasse Kaffee den Blick auf den Marktplatz zu genießen.
Der Bücherbus fährt regelmäßig 35 Haltestellen im gesamten Stadtgebiet an. Merkzettel zu den Öffnungszeiten und der Fahrplan des Bücherbusses sind in der Stadtbibliothek am Markt, Markt 1 oder im Bus erhältlich.

Polnische Bücher in der Fremdsprachenabteilung der Stadtbibliothek


Die Fremdsprachenabteilung der Stadtbibliothek Osnabrück bietet jetzt auch eine Auswahl von belletristischen Titeln für Erwachsene in polnischer Sprache an. Im Bestand sind nicht nur populäre polnische Autoren wie Katarzyna Grochola, Marek Krajewski oder Andrzej Sapkowski vertreten, sondern auch internationale Namen wie Camilla Läckberg, Stieg Larsson oder Carlos Ruiz Zafon. Und die Fußballfans dürften zwei Publikationen aus der Reihe „11wspanialych“ (dt. etwa „Die Wunderelf“) über Lukas Podolski und Kuba Blaszczykowski interessieren. Auskunft unter 0541/323-2007.

Leichte Sprache 

In der Stadtbibliothek Osnabrück gab es schon immer unter anderem Krimis, Sachbücher, Wörterbücher, Software, Audio CDs und Zeitungen – jetzt gibt es diese Medien auch in „Leichter Sprache“; beispielsweise „Die Leiche im Baggersee“, Anne Frank, ihr Leben“, „1250 wichtige Wörter“, „Lenic – der sprechende Führerscheintrainer“ oder die CD „Wie geht es weiter, Leon?“ sowie die Zeitung „Klar & Deutlich“.

Die „Leichte Sprache“ ist sogenannter „Kindersprache“ nicht etwa nachgestellt, sondern folgt definierten Prinzipien: Es sollen hier nur kurze Sätze verwendet werden, jeder Satz enthält nur eine Aussage, abstrakte Begriffe, Fremd – und Fachwörter werden vermieden und die Texte müssen übersichtlich in einer genormten Größe gestaltet sein. Die europäischen Richtlinien hierfür wurden in Brüssel von „Inclusion Europe“, einer von der EU-Kommission unterstützten Vereinigung geistig Behinderter und ihrer Familien, definiert und in Deutschland vom „Netzwerk Leichte Sprache“, Büros für Leichte Sprache und einigen Spezialverlagen umgesetzt.
„Leichte Sprache“ ist grundsätzlich für Menschen nützlich, die Sprachschwierigkeiten haben. Dies können Menschen mit Behinderungen, aber auch Menschen mit einem Migrationshintergrund sein, die noch sehr geringe deutsche Sprachkenntnisse haben.
Sie sollen trotz ihrer sprachlichen Barrieren gesellschaftlich nicht ausgegrenzt werden.
Das Sortiment, das die Stadtbibliothek anbietet, wird kontinuierlich ausgebaut. Alle Titel sind ausleihbar und können über den Katalog der Stadtbibliothek mit der Signatur „Leichte Sprache“ recherchiert werden: https://katalog.stadtbibliothek.osnabrueck.de

Diplom-Bibliothekar Manfred Müller, der das Angebot verantwortlich aufgebaut hat, steht für Auskünfte gerne zur Verfügung und hat als Beispiel die Mitteilung in „Leichte Sprache“ übersetzt:

Eine Stadtbibliothek ist eine Bücherei. In Osnabrück gibt es auch eine Bücherei. Die Bücherei ist am Markt 1.
Das gibt es alles in der Bücherei: Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Noten, Hör-CDs, Filme auf DVD, Spiele und noch mehr…
Nicht alle Menschen können gut lesen. Für diese Menschen gibt es in der Bücherei besondere Bücher.
Wollen Sie mehr darüber wissen? Telefonieren Sie mit Manfred Müller. Die Telefonnummer ist 0541-3232007.

 


 

Service

 

„Warum zischt es, wenn man etwas Warmes in kaltes Wasser wirft?“

Die Information im 1. Stock der Stadtbibliothek am Markt ist die zentrale Anlaufstelle, wenn Besucherinnen und Besucher Fragen zu ihrem Kundenkonto haben, die Leihfrist ihrer Medien verlängern wollen, für ein Referat die Lebensdaten vom Sonnenkönig Ludwig XIV benötigen, ein Buch des aktuellen Literaturnobelpreisträgers wünschen, Faktenwissen über Solaranlagen sammeln, einen Lektüre-Geschenktipp für das Patenkind brauchen oder ganz einfach beraten werden wollen, weil sie sich leichte und amüsante Urlaubslektüre wünschen oder einen spannenden Thriller, der einem den Schlaf raubt .
Fachpersonal hilft in der Stadtbibliothek in all diesen Fällen weiter,  persönlich, am Telefon 0541 / 323 – 2007 oder per Mail: info-stadtbibliothek@osnabrueck.de.

 

 

Medientipp

„Hotel Lux“

Deutschland 2011 - Regie: Leander Haußmann - Darsteller: Michael Herbig, Jürgen Vogel, Thekla Reuten u.a. - Prädikat: besonders wertvoll - FSK: ab 12 - Länge: 105 min.
Am Anfang lachen die Nazis noch über sich selbst: Hans Zeisig (Michael Herbig) und sein Freund Siggi Meyer (Jürgen Vogel) parodieren auf einer Berliner Kleinkunstbühne die beiden Erzfeinde Hitler und Stalin. 1933 grölt das Publikum noch, mehrheitlich aus SA- und SS-Gefolgsleuten bestehend. Zeisig ist ein richtiger Schlemihl, charmant, ein unpolitischer Frauenheld, mit einem Traum von Hollywood in seinem Herzen. Siggi dagegen, der den Hitler mimt, wird wenig später als Kommunist in den Untergrund gehen.
Leander Haußmann skizziert den Übergang des multikulturellen Berlins zur Hauptstadt des ‚Reiches’ in eleganten Bildern: Tingeltangel wird in „Hotel Lux“ als anarchistische Kleinkunst gezeigt, die sie in den 1920er Jahren tatsächlich auch war. Dann zeigt Haußmann ihren Niedergang: Für jene, die über alles lachen wollen, ist im Tausendjährigen Reich kein Platz mehr.
Nun geht es ums reine Überleben, aber statt im amerikanischen Fluchtparadies landet Zeisig in Moskau – im berüchtigten „Hotel Lux“. Dort trifft er seine heimliche Liebe wieder, die Kommunistin Frida van Oorten (Thekla Reuten), aber auch Walter Ulbricht und weitere deutsche Exil-Kommunisten. Alles Weitere ist aber so, als hätten die Monty Pythons ein Buch von Franz Kafka in die Hände bekommen. Es ist die Zeit der ‚Großen Säuberung’. Der zwergenhafte NKWD-Chef Jeschow schwingt die Knute, die Kinder spielen auf den Gängen „Auf der Flucht erschossen“, nachts werden Menschen abgeführt, während anderentags die Überlebenden in endlosen Sitzungen „Väterchen“ Stalin ewige Treue geloben. Und ausgerechnet der unpolitische Zeisig soll nun erneut in falscher Rolle dem Diktator die Zukunft aus einem Satz Karten lesen.
Dass nun ausgerechnet der auf platte Klamotte spezialisierte und dafür mit Filmpreisen überhäufte Michael Herbig den Schritt in die politische Komödie gewagt hat, überrascht. Seine Performance in „Hotel Lux“ ist allerdings ein Volltreffer geworden. Das liegt auch an dem exzellenten Script, einem tollen Casting und der Handschrift eines Regisseurs, der es schafft, ein beklemmendes Thema glaubwürdig aus der Sicht eines Schlemihls zu erzählen. Wie Herbig wider besseres Wissen mit schnodderiger Schnauze den Selbstbewussten mimt, das hat schon etwas. Er ist der Hofnarr, der langsam erwachsen wird, aber in seinem Herzen die einfache Wahrheit von der befreienden Kraft des Lachens auch im „Herz des Bösen“ nicht hergibt. So etwas könnte mit allerhöchstem Kitschverdacht in die Hose gehen, aber Herbig meistert den Spagat souverän. Er ist die eigentliche Entdeckung dieses Films.
Fazit: Außergewöhnliche Polit-Komödie in der Tradition von Ernst Lubitschs „Sein oder Nichtsein“ mit einem exzellenten Michael „Bully“ Herbig.
 

Veranstaltungen

Bücherbasar

Am Samstag, den 6. Oktober von 10 bis 15 Uhr lädt die Stadtbibliothek alle Interessierten zu einem Bücherbasar ins Foyer im Eingangsbereich, Markt 1, ein. Neben vielen Musikalien werden vor allem Kinderbücher angeboten. Vereinzelte Schnäppchen gibt es auch bei den Romanen, Kunstbänden, Kochbüchern und Zeitschriften.
Taschenbücher kosten 50 Cent, fest gebundene Titel einen Euro.  

Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit

Anlässlich der "Weltstillwoche 2012", die vom 23. September bis 19. Oktober stattfindet, haben das "Netzwerk zur Stillförderung" und die "Hebammenzentrale Osnabrück e.V." gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartnern ein attraktives Veranstaltungsprogramm zusammengestellt. Das Gesamtprogramm hängt in der Stadtbibliothek am Markt, Markt 1, aus.
Am Donnerstag, den 11. Oktober von 16.30 bis 18 Uhr stellt die Autorin, Elke Mattern, die auch Hebamme und Qualitätszirkelmoderatorin ist, ihr Buch vor und präsentiert eine DVD.
Parallel dazu können Kinder ab 4 Jahren um 17 Uhr im Kinderbereich der Stadtbibliothek den "Kinder-Leseclub mit dem Fantasiemobil" besuchen, um dort spannenden, lustigen und fantastischen Geschichten zu lauschen.
Der Eintritt für beide Aktionen ist frei. 

Jugendkulturtage 2012: Textwerkstatt mit der Kinder- und Jugendbuchautorin Annette Weber in der Stadtbibliothek

Am 16. und 17. Oktober 2012 erleben 30 Schüler und Schülerinnen der Angelaschule die Kinder- und Jugendbuchautorin Annette Weber als Leiterin einer Schreibwerkstatt. Im Rahmen der Jugendkulturtage 2012 bietet die Stadtbibliothek an beiden Vormittagen eine Textwerkstatt für eine 9. Schulklasse an, die unter der Anleitung von Annette Weber eigene Texte zum Thema „Erwachsen werden“ entwerfen und gestalten, formulieren und schreiben wird. Die Autorin, die zahlreiche Bücher über die Erlebniswelt Jugendlicher geschrieben hat, und darüber hinaus Jugendliche dabei unterstützt, ihre eigene Geschichte aufzuschreiben, freut sich auf den Austausch mit den Jugendlichen aus Osnabrück. Die Texte, die bei dieser Schreibwerkstatt entstehen, werden im Anschluss an den Workshop in der Kinder- und Jugendbibliothek ausgestellt.
Die Autorin Annette Weber wurde 1956 in Lemgo geboren und arbeitete nach dem Lehramtsstudium für die Primarstufe zunächst 22 Jahre als Lehrerin, ehe sie sich 2002 vom Schuldienst beurlauben ließ und sich ausschließlich dem Schreiben widmete. Bisher sind über 70 Bücher für Kinder und Jugendliche entstanden. Annette Weber entwickelt auch Lernhefte für Schüler und schreibt Theaterstücke und Sachgeschichten. 2007 promovierte sie an der Universität Osnabrück im Fachbereich Erziehungs- und Kulturwissenschaft. Ihre Doktorarbeit beschäftigte sich mit den Biografien jugendlicher Einzelgänger. Die Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse können sich also auf eine in vielerlei Hinsicht, bereichernde Begegnung mit der Autorin freuen.
 

 

Treffpunkt Bibliothek: Information hat viele Gesichter

 

Im Rahmen der bundesweiten Bibliothekswoche, die bereits zum fünften Mal stattfindet, laden Bibliotheken in Deutschland mit einem bunten und abwechslungsreichen Programm dazu ein, bibliothekarische Angebote und Dienstleistungen besser kennen zu lernen. Auch die Stadtbibliothek Osnabrück ist wieder mit dabei und wünscht allen Besucherinnen und Besuchern anregende und angenehme Stunden in der Stadtbibliothek am Markt, Markt 1 und viel Vergnügen bei den Veranstaltungen.
 

Das ist ein Buch!

Von Mittwoch, den 24. Oktober bis Mittwoch, den  31. Oktober präsentiert die Stadtbibliothek, ganztägig im Foyer im Eingangsbereich der Stadtbibliothek am Markt,
Markt 1, einen Kurzfilm, mit freundlicher Genehmigung des Carl Hanser Verlags, München.

Es braucht keinen Strom, keine Updates und keinen Internetanschluss. Man kann es genauso gut am Strand benutzen, wie zuhause auf der Couch oder unterwegs im Zug: das gute alte Buch.
Dieser Film ist eine charmante Liebeserklärung an ein ganz besonderes Medium. Er zeigt auf humorvolle Weise, worauf es wirklich ankommt: auf eine fesselnde, gute Geschichte.
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Bilderbuch von Lane Smith, einem mit vielen Preisen ausgezeichneten Illustrator aus New York.
 

Was für ein herrliches Leben!

Erlesenes vom Buchmarkt und kleine kulinarische Köstlichkeiten
Am Samstag, den 27. Oktober von 11 bis ca. 13 Uhr lädt die Stadtbibliothek zu einem Bücherbrunch in ihren Zeitungslesesaal im 1. Stock, Markt 1.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtbibliothek und der Dom Buchhandlung stellen Bücher vor, die von großen Lebensträumen und vom Glück erzählen.
Sie präsentieren in lockerer Atmosphäre ihre Lieblingsfundstücke: Romane, Biografien, Sachbücher, Ratgeber und Bildbände. Sie empfehlen Neues von der Frankfurter Buchmesse und Titel, bei denen es sich lohnt, sie wiederzuentdecken.
Während des Bücherbrunches werden Heißgetränke und kleine Snacks gereicht. Die vorgestellten Bücher können im Anschluss erworben werden. Sie stehen allen Bibliothekskunden auch zum Ausleihen zur Verfügung.
Eintritt: 5 Euro, inkl. Speisen und Getränke
Verbindliche Anmeldung und Kartenvorverkauf über die Stadtbibliothek am Markt, Information im 1. Stock
Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Dom Buchhandlung Osnabrück.

Zauber-Flügel

Zaubersprüche haben Flügel
Am Mittwoch, den 31. Oktober startet um 17 Uhr (bis ca. 18.30 Uhr) ein besonderes Experiment im Zeitungslesesaal der Stadtbibliothek am Markt, Markt 1.
Konzeption und Durchführung: Jutta Wermke, musikalische Begleitung: Jörg Kerll

Jedes Kind kennt Zaubersprüche aus “Harry Potter”, “Bibi Blocksberg” und anderen Geschichten. Zum Beispiel von der „Kleinen Hexe“ und dem „Räuber Hotzenplotz“.
Aber wer weiß schon, ob Zaubersprüche Flügel haben?! Wir probieren es aus mit unserem Experiment „Zauber-Flügel“.
Im Voraus können wir dazu nur soviel sagen, dass Luftballons, Postkarten und Zaubersprüche eine Rolle spielen – und dass große Vorsicht geboten ist.
Vor allem den Heimkehrzauber darf man nie vergessen …
Für Kinder von 6 bis 10 Jahre mit je einer Begleitperson
Eintritt frei, verbindliche telefonische Voranmeldung bis 24.Oktober in der Kinder- und Jugendbibliothek unter Tel. 0541 / 323 – 22 99.

 

 

 

 

Erich Maria Remarque-Friedenszentrum

Erich Maria Remarque-Friedenszentrum, Markt 6, 49074 Osnabrück, Tel. 0541/323-2109, Fax 0541/969-2431
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag:10 bis 13 Uhr und 15 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag: 11 bis 17 Uhr

Ausstellung im Remarque-Friedenszentrum, vom 20.September 2012 bis 18.November 2012
In Kooperation mit ViVer – Vision und Verantwortung e.V., Berlin 

Der portugiesische Diplomat de Sousa Mendes rettete im Juni 1940 als Generalkonsul von Bordeaux rund 30.000 Menschen – unabhängig von deren Herkunft oder Glauben – vor der Verfolgung durch die Nazis, als die deutschen Truppen Frankreich besetzten. Gegen ausdrückliche Anordnungen seiner Regierung stellte de Sousa Mendes aus humanitären, rein altruistischen Motiven binnen weniger Tage zehntausende Visa für verfolgte Menschen aus, obwohl er davon keinen Vorteil hatte, sondern im Gegenteil persönliche Nachteile befürchten musste. Weil er mit seiner Rettungsaktion gegen den Willen der portugiesischen Salazar-Diktatur verstieß, wurde er aus dem diplomatischen Dienst entfernt und verstarb in Armut.
 

Fremde Zeit – Unsere Zeit II

Autorenlesung mit Volker Issmer am 8. November 2012, 18.00 Uhr

Der Osnabrücker Historiker Dr. Volker Issmer beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit der regionalen NS-Geschichte. Mit seiner Publikation „Fremde Zeit – Unsere Zeit“, deren II. Teil an diesem Abend der Öffentlichkeit vorgestellt wird, versucht er einen neuen Zugang zu der Thematik zu gewinnen, indem er reales Geschehen in der Form der Kurzgeschichte vorstellt. Dabei leitet ihn die Erkenntnis, dass die erzählte Geschichte eine wichtige Möglichkeit für ein Verständnis des Geschehens darstellt, die auch genutzt werden sollte, um Menschen zu erreichen, die selbst nicht mehr Zeitzeugen sind.
Frau Karin Jabs-Kiesler, Bürgermeisterin von Osnabrück, wird die Einführung vornehmen.
Veranstalter: Erich Maria Remarque-Friedenszentrum und Erich Maria Remarque-Gesellschaft e. V., Literaturbüro Westniedersachsen
Eintritt: 5,- €, erm. 3,- €
 

 »Jud Süß« – Geschichte(n) einer Figur

Ausstellung im Remarque-Friedenszentrum, 22. November 2012 bis 27. Januar 2013
 

Der württembergische Hoffaktor Joseph Süß Oppenheimer (1698/99–1738) ist eine der bedeutendsten und ambivalentesten Persönlichkeiten der deutsch-jüdischen Geschichte. Durch Veit Harlans Film Jud Süß (1940) wurde die Figur in starkem Maße antisemitisch geprägt und für die nationalsozialistische Propaganda instrumentalisiert. Diese Aufladung der Figur »Jud Süß« bestimmt auch aktuelle Auseinandersetzungen über öffentliche Aufführungen des Films. Die Ausstellung wirft jedoch einen erweiterten Blick auf die Figur und die mit ihr verbundenen Vorstellungen. Denn die Überlagerung von Fakten und Fiktion begann bereits zu Lebzeiten Joseph Süß Oppenheimers und wurde in einer Vielzahl von Darstellungen fortgeführt. Neben der Tradierung antisemitischer Stereotypen gab und gibt es immer auch den Versuch, die Rolle und das Handeln von »Jud Süß« mit einer positiven Lesart zu verbinden. Aufgabe und Ziel der Ausstellung ist es, die Funktionsweise der Tradierung von Stereotypen am Beispiel Joseph Süß Oppenheimers aufzuzeigen. Ausgehend von der Lebensgeschichte Oppenheimers sollen die verschiedenen - antisemitischen aber auch positiven - Versuche der Aufladung der Figur entlang ihrer Rezeptionsgeschichte verfolgt und bis in die heutige Zeit hinein präsentiert werden. Absicht ist es, dem Besucher die Wirkungsmacht dieser antisemitischen Figur präsent und nachvollziehbar zu machen.
Die vielgestaltige Wirkungsgeschichte der Figur spiegelt sich in den vier Bereichen der Ausstellung wieder:
 

1. Der historische Joseph Süß Oppenheimer
Schon zu Lebzeiten gab man Joseph Süß Oppenheimer den herabsetzenden Namen »Jud Süß«. Zeitgenössische Texte und Bilder zeigen eine einseitige und stereotype Darstellung, bei der die spektakuläre Hinrichtung am Galgen eine zentrale Rolle spielt. Die historische Person jedoch ist nahezu unbekannt. Der Ausstellungsteil nimmt beide Seiten näher in den Blick: Die historischen Fakten und die Formen der Stereotypisierung, die die Person Joseph Süß Oppenheimer schnell zu der Figur »Jud Süß« werden ließen.
 

2. Die literarisch-historische Auseinandersetzung um »Jud Süß« bis in die 1920er Jahre
Bereits vor Veit Harlans Film wird die Figur des »Jud Süß« zum Ausgangspunkt einer Vielzahl künstlerischer Darstellungen, die die Legende lebendig hielten. Auch die Geschichtswissenschaft setzt sich mit dem Leben Joseph Süß Oppenheimers auseinander. Der Ausstellungsteil widmet sich diesen verschiedenen Darstellungsweisen, um zu zeigen, inwiefern die Figur des »Jud Süß« dadurch an Vielschichtigkeit gewinnen konnte
 

3. Der Film Jud Süß von Veit Harlan (1940)
Jud Süß gilt als Inbegriff des antisemitischen Propagandafilms. Der Film hat entscheidenden Anteil an dem Zerrbild, welches bis heute die kollektiven Vorstellungen von der Figur »Jud Süß« prägt. Diejenigen, die nach 1945 den Spuren eines ›anderen‹ Joseph Süß Oppenheimer nachgehen wollen, müssen sich daher mit dem Film auseinandersetzen. Der Ausstellungsteil widmet sich der Entstehungsgeschichte, den beteiligten Akteuren, dem Inhalt und der Wirkung des Films. Auch der weitaus weniger bekannte Film Jew Suess (1934) von Lothar Mendes, der ein positives Bild Oppenheimers zeigen will, wird einbezogen.
 

4. »Jud Süß« — Konflikte und Deutungen nach 1945
Die Nachkriegsprozesse und Boykottaktionen gegen Veit Harlan machen die Relevanz des Films bei der Auseinandersetzung mit der Figur des »Jud Süß« nach 1945 deutlich. Dass der Film Jud Süß heute nur unter Auflagen gezeigt werden kann und ihn nur wenige kennen, trägt auch zu der Dämonisierung der Figur bei. Daneben existieren jedoch ebenso Versuche, »Jud Süß« zu einer positiven Identifikationsfigur werden zu lassen und der durch den Film geprägten Vorstellungswelt ein anderes Bild entgegenzusetzen. Der Ausstellungsteil zeigt beide Seiten: Die Versuche einer Normalisierung und die fortbestehende Skandalisierung, die die aktuelle Auseinandersetzung mit »Jud Süß« kennzeichnen.


 

 

 

»Wer ein Leben rettet, der rettet die ganze Welt« – Aristides de Sousa Mendes. Ein Beispiel für Zivilcourage

 

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Stadtbibliothek Osnabrück

Stadtbibliothek am Markt

Markt 1, 49074 Osnabrück
Tel.: 0541 / 323 – 20 07
Fax: 0541 / 323 – 43 55
E-Mail: info-stadtbibliothek@osnabrueck.de

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag: 10 bis 18 Uhr
Samstag: 10 bis 15 Uhr