Newsletter Stadtbibliothek Osnabrück
Nr.1 / 2019
Buchtipps für Teenies

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit dieser Ausgabe der Buchtipps für Teenies tauchen Sie ein in die Gedanken- und Lebenswelten verschiedener Jugendlicher, die größtenteils selber zu Wort kommen und von Ereignissen und Situationen erzählen, die sie ermutigt, überrascht oder deprimiert haben, die sie veranlasst haben, über sich selbst hinauszuwachsen, anderen zu helfen oder eine neue Perspektive einzunehmen und ihrem Leben so eine andere Bedeutung zu geben.
Tief berührt, aufgewühlt, nachdenklich und oft auch mit einem Schmunzeln im Gesicht lassen diese Bücher ihre Leser zurück. Begeben Sie sich mit ihnen auf eine emotionale Achterbahn und mitten hinein in diesen Lesefrühling.

Mit herzlichen Grüßen und den besten Wünschen für ein wunderbares Osterfest

Kathrin Schmidt, Dipl.-Bibliothekarin, Bildungspartnerschaft Schule und Bibliothek
Laura Beerwerth, Bibliothekarin, B.A., Kinder- und Jugendbereich

Daniela Tap, Dipl.-Bibliothekarin

Erzählungen

 
 

Amy und die geheime Bibliothek
Alan Gratz
Bibliotheksstandort: Erz 62 Grat blau
240 S., fest geb., € 15,00
Hanser, 2019
ISBN: 978-3-4462-6211-9
Thema: Bücher, Freundschaft, Bibliothek, Lesen, Verschwörung,
Ab 10 J.

Was tut man als 10-Jährige, wenn der Elternrat der Schule beschließt, dass das eigene Lieblingsbuch sowie andere wunderbare Bücher aus der Schulbibliothek verbannt werden sollen, weil sie angeblich unmoralisch und respektlos sind und die soziale Entwicklung gefährden? Amy, die introvertiert, still und zurückhaltend ist, und ihre Probleme mit sich alleine ausmacht, schreitet zur Tat und richtet kurzerhand in ihrem Schulschließfach eine geheime Bibliothek ein, in der sich genau jene Bücher befinden, die auf der Ahndungsliste von Mrs Spencer, der Sprecherin des Elternrates, stehen. Amy, die von ihren Freunden Rebecca und Danny bei der Bücherbeschaffung unterstützt wird, kann sich bald kaum vor Anfragen ihrer Mitschüler retten: alle möchten die verbannten Bücher lesen. Das Leseverbot übt einen unglaublichen Reiz auf die Kinder aus, sodass die Bücher zu einer heiß gehandelten Ware werden.
Amy und ihre Freunde schmieden Pläne, wie sie die Bücherverbannung aufheben und ihr Recht vertreten können, ihre Buchauswahl selber treffen und sich eine eigene Meinung bilden zu dürfen. Die einnehmende Geschichte ist humorvoll und packend geschrieben, und die Entschlossenheit der Protagonistin steckt an. So viel Begeisterung und Tatendrang für Bücher findet man selten. Ein zusätzlicher Gewinn ist die Nennung zahlreicher Buchtitel, die die Kinder für lesenswert halten und die Leserinnen und Leser dazu animieren könnten,
diese ebenfalls lesen zu wollen.



Die schreckliche Geschichte der abscheulichen Familie Willoughby (und wie am Ende alle glücklich wurden)
Lois Lowry
Bibliotheksstandort: Erz 81 Lowr blau
172 S., fest geb., € 12,95
dtv, 2019
ISBN: 978-3-4237-6238-0
Thema: Familie, schwarzer Humor
Ab 10 J.

Mr und Mrs Willoughby fassen einen verabscheuungswürdigen Plan: Sie wollen sich von ihren Kindern befreien. Es handelt sich dabei um vier Kinder, die zwar nicht im Wald ausgesetzt, aber mit einem fürchterlichen Kindermädchen zurückgelassen werden sollen. Die Kinder sind allerdings nicht weniger daran interessiert, ihre Eltern loszuwerden, und so kann die gegenseitige Abneigung ein gutes Ende nehmen. Eine rabenschwarze Familiengeschichte mit viktorianischem Charme, die in der Tradition von Mary Poppins bzw. den Werken von Charles Dickens oder Roald Dahl verfasst und kunstvoll mit zynischen Ungeheuerlichkeiten angereichert wurde. Der Text stammt bereits aus dem Jahr 2008 und wurde nun von Michael Gutzschhahn hervorragend aus dem Amerikanischen übersetzt. Das schmale Bändchen setzt einen originellen Kontrapunkt zu den harmonischen Familienromanen. Der gelungene Einband und die Vignetten stammen von der Autorin selbst, die 2014 mit ihrem bekanntesten Jugendroman "Hüter der Erinnerung" ins Kino kam.
Für alle Freunde der schrägen Literatur und des schwarzen Humors unbedingt empfohlen.

 

 


Master of Disaster: Chaos ist mein zweiter Name
Stephan Knösel
Bibliotheksstandort: Erz 81 Knös blau
232 S., fest geb., € 12,95
Beltz & Gelberg, 2018
ISBN: 978-3-4078-2355-7
Thema: Schule, Humor, Freundschaft, Geschwister
Ab 10 J.

Quentin hat alle Hebel in Bewegung und extra einige Klassenarbeiten in den Sand gesetzt, damit seine Eltern ihn für die Gesamtschule, nicht aber fürs Gymnasium anmelden. Der Grund für dieses strategische Vorgehen heißt Stella und ist Quentins Erzfeindin, der er in der weiterführenden Schule auf keinen Fall begegnen will. Leider kommt es anders, denn auch Stella taucht am Kennenlerntag in der neuen Schule auf. Sie bietet Quentin an, sich eine neue Schule zu suchen, wenn er dafür sorgt, dass sie im Sommer aus dem Pfadfinderzeltlager abgeholt wird, für das ihre Mutter sie angemeldet hat. Quentin gelingt das Unmögliche: er überredet seine Eltern zu einer Reise nach Bayern und einem Zwischenstopp in der Nähe des Sommercamps. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Vincent heckt er die skurrilsten Streiche aus und wirbelt das Zeltlager gehörig durcheinander. Mit Erfolg: Stella wird abgeholt - und taucht nach den Ferien wieder in der Schule auf. Quentin ist außer sich und schmiedet neue Rachepläne. Diese eskalieren und sorgen dafür, dass die zwei Streithähne am Ende für den Rest des Schuljahres nebeneinandersitzen müssen. Zündstoff für einen 2. Band, der, wie auch schon diese Geschichte, voller Humor, Rasanz, Authentizität und Einfallsreichtum sprühen dürfte. Ein kolossales Lesevergnügen für Jungs und Mädchen.



Emilia und der Junge aus dem Meer
Annet Schaap
Bibliotheksstandort: Erz 94 Scha blau
393 S., fest geb., € 15,00
Thienemann, 2019
ISBN: 978-3-5221-8492-2
Thema: Fantasy, Märchen, Tod und Trauer, Mut, Humor
Ab 11 J.

Der Leuchtturmwärter und seine Tochter Emilia haben das Licht im Leuchtturm nicht rechtzeitig angezündet, und ein Schiff ist auf einen Felsen aufgelaufen. Zur Strafe muss Emilia den Leuchtturm verlassen und die nächsten sieben Jahre im schwarzen Haus leben und arbeiten. Hier haust angeblich ein Monster. Als Emilia sich auf den Weg zum Dachboden macht, um den Gerüchten auf den Grund zu gehen, entdeckt sie statt des Monsters einen Jungen mit einem Fischschwanz. Mit Mut, Fantasie, Tatkraft und Geduld steht sie Edward, so der Name des Jungen, bei und hilft ihm seinen Lebensweg zu finden.
Am Ende finden auch Emilia und ihr Vater wieder zusammen und starten in ein neues Leben. Diese märchenhafte Geschichte enthält alles, was ein gutes Buch braucht. Sie erzählt von Tod und Trauer, Mut und Scheitern, Gefahren und Hilfe im richtigen Moment, ist humorvoll und hat ein gutes Ende. In schöner Sprache, fesselnd erzählt und mit stimmigem Cover, braucht sie den Vergleich mit Werken von Astrid Lindgren und Michael Ende nicht zu scheuen. In den Niederlanden wurde das Buch mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.




Vier Wünsche ans Universum
Erin Entrada Kelly
Bibliotheksstandort: Erz 62 Kell blau
285 S., fest geb., € 14,95
dtv, 2018
ISBN: 978-3-4236-4044-2
Thema: Freundschaft, Abenteuer, Mut, Unfall
Ab 11 J.

In dem 2018 mit der Newbery Medal ausgezeichneten Kinderroman entspinnt sich zwischen vier sehr unterschiedlichen Kindern eine äußerst spannende Geschichte um Mut, Freund-schaft und Vertrauen.
Virgil ist schüchtern und fühlt sich in seiner lauten Familie komplett fehl am Platz. Valencia ist taub, intelligent und schrecklich einsam. Kaori ist eine Lebensberaterin mit hellseherischen Fähigkeiten und mit ihrer kleinen Schwester Gen im Schlepptau.
Und da ist Chet, eine wahre Plage für die anderen Kinder. Nein, Freunde sind sie nicht, zumindest nicht bis zu dem Tag, als Chet Virgil und sein Meerschweinchen Gulliver angreift und die beiden in einem alten Brunnen landen. Was zunächst wie eine ausweglose Situation erscheint, entwickelt sich zu einem wahren Glücksfall, der zu einer beispiellosen Suchaktion von Valencia, Kaori und Gen wird. Mit Glück, Köpfchen und Mut - und einer kleinen Hilfe vom Universum - werden ein Junge gerettet, ein Fiesling in seine Schranken gewiesen und Freundschaften geschmiedet.





Agatha Oddly - Das Verbrechen wartet nicht

Lena Jones
Bibliotheksstandort: Erz 24 Jone blau
367 S., fest geb., € 14,95
Loewe, 2019
ISBN: 978-3-7432-0286-3
Thema: Krimi, Spannung, Freundschaft, Außenseiter, London
Ab 11 J.


Die 13-jährige Agatha Oddlow lebt mit ihrem Vater, dem leitenden Landschaftsgärtner der Königlichen Parkverwaltung, im Groundskeeper's Cottage im Hyde Park in London. Agatha, eigenwillig, klug und erfinderisch, liebt es, sich - ganz nach dem Vorbild ihrer Namensgeberin Agatha Christie und deren Figur Hercule Poirot - mit Rätseln und sonderbaren Vorkommnissen aller Art zu beschäftigen und wünscht sich nichts sehnlicher, als einen richtigen Fall zu lösen. Als eine ältere Dame im Hyde Park von einem Motorradfahrer angefahren wird und sich herausstellt, dass diese Professorin für Hydrologie ist und zu einem Geheimbund gehört, der im Untergrund Londons agiert, wird Agathas detektivischer Spürsinn geweckt. Sie stellt Nachforschungen an und erschließt sich Zusammenhänge zwischen der plötzlich auftretenden Rotalgenpest, die die gesamte Wasserversorgung Londons gefährdet und dem neuen Start-up-Unternehmen Aqua Alpha, dessen frisches Trinkwasser nun reißenden Absatz findet. Bis Agatha alle Fäden zu einer logischen Erklärung zusammenführen und den Verursacher der Misere überführen kann, geraten sie und ihr bester Freund Liam in große Gefahr. Eine ungewöhnliche und sympathische Heldin, charmante wie zwielichtige Nebenfiguren, aufregende Schauplätze und eine originelle Handlung machen das Buch zu einem spannenden und unterhaltsamen Lesevergnügen für Jungen und Mädchen.




Die Tornadojäger

Ross Montgomery
Bibliotheksstandort: Erz 21 Mont blau
281 S., fest geb., € 15,00
Hanser, 2018
ISBN: 978-3-4462-5872-3
Thema: Abenteuer, Freundschaft, Mut, Wirbelstürme
Ab 11 J.

Sie sind zu fünft und wollen dem Tornado die Stirn bieten. Die Freunde Owen, Pete, Ceri, Callum und Orlaith haben es satt, sich den Sturmgesetzen ihres Wohnortes Barrow und den Ängsten der Eltern zu beugen. Dass sie dafür ins Jugendbezirksgefängnis wandern könnten, kümmert sie wenig. Nachdem Owen ein Referat über seine Großeltern, die Tornadojäger, in der Schule gehalten hat, möchten die Kinder es den mutigen Abenteurern gleichtun und den nächsten Tornado aus unmittelbarer Nähe fotografieren. Um ihren Plan in die Tat umzusetzen, müssen sie klug und einfallsreich vorgehen, die Ausgangssperre und den Sicherheitsdienst austricksen und die Stadt gut getarnt mit ihren präparierten Fahrrädern verlassen. Als sich dann tatsächlich ein Tornado ankündigt und die Sturmfallen von Barrow verrücktspielen, ergreifen die Freunde die Gelegenheit und machen sich auf den Weg in ein nervenaufreibendes Abenteuer. Ross Montgomery ist nach "Alex, Martha und die Reise ins Verbotene Land" erneut ein außerordentlich spannendes und tiefsinniges Buch voller Witz und Überraschungen gelungen, das Freundschaft, Mut und das Hinauswachsen über sich selbst in den Mittelpunkt stellt. Ein bisschen schräg und äußerst lesenswert!



Fünf Dinge, die dir niemand verrät (außer Martha)

Rebecca Westcott
Bibliotheksstandort: Erz 62 West blau
239 S., fest geb., € 14,95
dtv, 2018
ISBN: 978-3-4237-6216-8
Thema: Trennung der Eltern, Kunst, Familie, Freundschaft, Ferienjob
Ab 11 J.

Erins Eltern haben sich getrennt und ihr die Entscheidung überlassen, bei wem sie wohnen möchte. Sie entscheidet sich weder für ihren Vater noch für die Mutter, denn ihren Eltern scheint es wichtiger zu sein, wer das Teeservice bekommt, als sich Gedanken über den Verbleib ihrer Tochter zu machen. Dennoch bleibt sie bei ihrem Vater, da ihre Mutter nun eine neue Familie hat, um die sie sich kümmern wird. Erin ist wütend und beschließt, ihrem Vater einen Grund zu geben, sie wahrzunehmen und eine Reaktion zu provozieren: Sie "leiht" sich seine Kreditkarte aus, um sich ein iPad zu kaufen. Um eine Rückgabe unmöglich zu machen, lässt sie gleich ihren Namen eingravieren und beschwört damit ein echtes Donnerwetter herauf. Ihr Vater erteilt zunächst Hausarrest und verpflichtet Erin, ihn zu seiner Arbeit in eine Seniorenresidenz zu begleiten, deren Parkanlagen er pflegt. Erin könne sich dort nützlich machen und den Senioren Gesellschaft leisten. Zunächst ist Erin alles andere als begeistert, findet aber langsam Zugang zu der 85-jährigen Martha, die sich nach außen borstig und mürrisch gibt, weil sie sich nicht mitteilen kann und nach einem Schlaganfall in ihrem Körper gefangen fühlt. Ihr Verstand arbeitet einwandfrei, und sie stiftet Erin zu Streichen an, die diese in die eine oder andere heikle Situation bringt. Neben Erins Interesse fürs Zeichnen beginnt sie auch eines für Lucas zu entwickeln, der seinen Großvater in der Einrichtung besucht und mit dem sie sich anfreundet. Das Buch ist wunderbar und humorvoll geschrieben, und die eigenwilligen Charaktere nehmen den Leser sofort für sie ein. Erins Kunstprojekt, das darin besteht, eigene Assoziationen, Gefühle und Gedanken zu Bildern großer Maler zu notieren, findet in jeder Kapitelüberschrift und ihren Notizen auf der entsprechenden Seite Erwähnung. Als Leser bekommt man Lust, sich alle genannten Bilder anzuschauen und sich Erins Gedanken ebenfalls durch den Kopf gehen zu lassen und eigene zuzulassen. Das Buch wird wegen des rosafarbenen Covers und der zarten Zeichnungen vermutlich eher Mädchen ansprechen und garantiert ein tiefsinniges und gleichzeitig humorvolles Lesevergnügen.

 

 

Das magische Land - Die Suche nach dem Wunschzauber. Land of Stories Bd. 1
Chris Colfer
Bibliotheksstandort: Erz 94 Colf blau
474 S., fest geb., € 18,00
Sauerländer, 2019
ISBN: 978-3-7373-5632-9
Thema: Fantasy, Märchen, Abenteuer, Geschwister, Schule
Ab 11 J.
"Das magische Land - Die Suche nach dem Wunschzauber" ist der erste Band der Reihe "Land of Stories". Mit seiner modernen Interpretation bekannter Märchenfiguren schickt Chris Colfer den Leser mit den ungleichen Zwillingen Alex und Conner in ein magisches Abenteuer. Seltsame Dinge geschehen, seitdem Alex und Conner ein altes Märchenbuch geschenkt bekommen haben. Dinge verschwinden und tauchen nicht mehr auf, bis eines Tages auch Alex und Conner verschwinden. Denn das Buch ist ein Portal in eine magische Welt voller Feen, Prinzessinnen, Prinzen und Magie. Auf der Suche nach dem Wunschzauber, der sie wieder nach Hause bringen kann, reisen Alex und Conner durch verschiedene Königreiche und erleben jede Menge magische Abenteuer. Der Autor setzt dort an, wo die bekannten Märchen enden und erschafft damit auf der Basis des Bekannten eine neue, noch reichere Märchen- und Fantasiewelt. Ein sehr gelungener Auftakt, voller Ideen und mit viel Witz und Charme, der allen empfohlen werden kann, die die Märchen von H.C. Andersen, der Gebrüder Grimm, aber auch deren Interpretationen von Walt Disney mögen.



Der große schwarze Vogel

Stefanie Höfler
Bibliotheksstandort: Erz 65 Höfl blau
181 S., fest geb., € 13,95
Beltz & Gelberg, 2018
ISBN: 978-3- 4077-5433-2
Thema: Familie, Tod, Unfall, Trauer, Trost
Ab 12 J.

Der plötzliche Tod seiner Mutter wirft Ben genauso wie seinen Vater und den kleinen Bruder Karl aus der Bahn. Der Vater versinkt in weitgehend sprachloser Trauer und lässt damit vor allem den 14-jährigen Ben allein. Ben erzählt aus seiner Sicht von der ersten Zeit nach diesem schicksalhaften Oktobertag, schildert, wie die beiden Jungen, der Vater und die Tante mit dem Tod der Mutter zurechtkommen - oder eben auch nicht. Kapitel der Gegenwart wechseln sich mit jenen der Erinnerung und als "Davor" gekennzeichneten ab. Aus den Schilderungen Bens erfährt man, dass die Mutter eine liebevolle, aber manchmal auch unberechenbare Frau war. "Stefanie Höfler entwickelt in ihrem dritten Roman (Mein Sommer mit Mucks, Tanz der Tiefseequalle) auf wenigen Seiten ein breit aufgefächertes Bild von Trauer und vom Umgang damit. Sie spiegelt die Empfindungen des halbwüchsigen Ben am Beispiel seines kleinen Bruders Karl (Krümel), der mit kindlichen Ritualen viel aktiver die Ablösung von der Verstorbenen betreibt; sie spiegelt Bens Situation auch an der Lage der Klassenkameradin Lina, deren Bruder seit langer Zeit im Koma liegt. Stefanie Höfler erfindet ungewöhnliche, oft unscheinbare, aber aussagekräftige Szenen, in denen die Vielschichtigkeit der psychologischen Belastungen nicht erklärt, sondern in Handlung aufgelöst wird. In einem kunstvoll aufgebauten Netz aus mehreren Zeitebenen umkreist der Roman ein düsteres Thema und liest sich doch als ein Buch der Hoffnung." (Begründung der Jury für das Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium 2019, das die Autorin erhielt.) Das Buch wurde, wie bereits die o.g. beiden Vorgänger, für den Jugendliteraturpreis 2019 in der Kategorie Jugendbuch nominiert.
Unbedingt lesenswert!



Wo alles beginnt. Hazel Wood Bd. 1
Melissa Albert
Bibliotheksstandort: Erz 91 Albe rot
Dressler, 2018
351 S., fest geb., € 19,00
ISBN: 978-3-7915-0085-0
Thema: New York, Märchen, Familie, Verlust
Ab 14 J.

Die 17-jährige Alice und ihre Mutter reisen auf der Flucht vor der Großmutter, der mysteriösen Märchenerzählerin Althea Proserpine, von einem Ort zum nächsten. Nach dem Tod der Großmutter lassen sie sich in Brooklyn nieder. Als Alices Mutter spurlos verschwindet, begibt sich Alice mit ihrem Freund Ellery Finch auf die Suche. Ihre Reise führt sie mitten hinein in das geheimnisvolle Buch ihrer Großmutter, deren erfundene Geschichten düster und verstörend sind, aber auch eine Faszination auf Alice ausüben.
Obwohl ihre Mutter sie vor Hazel Wood gewarnt hat, macht Alice sich auf den Weg dorthin, weil sie daran glaubt, nur dort, wo alles begann, eine Erklärung für das Verschwinden der Mutter und ihr eigenes, sie stets umgebendes, Geheimnis zu finden. Sie gerät in eine fremde Welt voller Märchen. Eine Welt, deren Teil Alice einst selber war und aus der sie entführt wurde.
Gruselig, schaurig, düster und brutal nimmt das Buch den Leser in der Tradition der Grimmschen Märchen mit in eine Welt, die zum Fürchten ist. Hier wird bewusst mit gängigen Klischees gebrochen und nichts beschönigt. Die Hauptfigur Alice ist sperrig, kühl und nicht unbedingt eine Sympathieträgerin, und ihr Schulkamerad Ellery kein strahlender Held. Wer diese Geschichte liest, muss sich drauf einlassen können, darf Originalität erwarten und bekommt sie. Für alle, die die wahren Märchen mögen und den Mut haben, sie zu lesen.

 

 

Dieser wilde Ozean, den wir Leben nennen
Elisabeth Steinkeller
Bibliotheksstandort: Erz Stei 62 rot
Beltz & Gelberg, 2018
236 S., kartoniert, € 13,95
ISBN: 978-3-4077-5436-3
Thema: Erwachsen werden, Identifikation, sexuelle Orientierung
Ab 15 J.

Seit der Begegnung mit Paulus im Zug vor einem halben Jahr, geht er Simon nicht mehr aus dem Kopf. Nun reist Simon am Ende der Winterferien in Paulus' Stadt. Alles, was er über ihn weiß, ist, dass Paulus dort wohnt und studiert und dass sich beide bei ihrer Begegnung zueinander hingezogen fühlten. So sucht sich Simon ein billiges Hotelzimmer und stromert, in der Hoffnung auf ein Wiedersehen, durch die Stadt.
Bei einer seiner Touren lernt er Antonia kennen. Antonia lässt sich nach dem Verschwinden ihres großen Bruders Joel durchs Leben treiben. Bei ihm zeichnete sich schon länger ab, dass er zunehmend den Bezug zur Realität verlor, Drogen nahm und in eine Psychose abglitt.
Seit seinem Verschwinden vor einem Jahr läuft es bei Antonia, die ihn sehr vermisst, nicht wirklich gut - sie tut sich schwer, sich auf ihren Freund Enno einzulassen und verhält sich ihm gegenüber immer wieder abweisend. Auch andere Leute stößt sie oft vor den Kopf.
Antonia spricht Simon in einem Park an, weil dieser auf den ersten Blick wie Joel aussieht - ein Missverständnis, das sich schnell aufklärt. Simon ist der erste, dem sie ausführlich von Joel zu erzählen beginnt. Simon dagegen vertraut Antonia an, dass er Paulus sucht. In den wenigen Tagen, in denen Simon in der Stadt ist, freunden die beiden sich an und versuchen, sich gegenseitig aus der ausgeprägten Verunsicherung heraus zu helfen. Die Geschichte wird aus der Perspektive der beiden Protagonisten erzählt, die durch rechts- bzw. linksbündige Kapitelüberschriften erkennbar sind. Nachdem man sich damit angefreundet hat, fühlt man sich den beiden Ich-Erzählern bald verbunden und geht mit ihnen durch diese Zeit der Ungewissheit und Hoffnung, gewinnt neue Erkenntnisse und fiebert mit bei den Begegnungen, die die Beiden weiterbringen.
Das Leben ist wie ein wilder Ozean, in dem ständig etwas passiert: Es gibt schlimme Erfahrungen, die man schwer verkraftet und die man sein Leben lang mit sich herumträgt; man erlebt Schönes, und wenn man es zulassen kann, wird es zum Glück; und wichtig ist, dass man Menschen hat, die einem Halt geben, die auch in schwierigen Zeiten zu einem stehen. Davon erzählt dieses kluge, kitschfreie Buch für Jugendliche ab 15 Jahren.

 

Tipp

 

Lese-Sommer-Special: Der JULIUS-CLUB (Jugend liest und schreibt)
vom 21.6.-21.8.2019

In den vergangenen elf Jahren hat sich der JULIUS-SOMMER-LESECLUB zu einem beliebten Ferienangebot entwickelt und spricht durch die Vielfalt der ausgewählten Buchtitel nicht nur Vielleser, sondern auch die Kinder und Jugendlichen an, die das Lesen wieder neu für sich entdeckt haben.
Neben dem Spaß am Lesen können Kinder, die in die 5.-8. Klasse gehen, vom 21. Juni bis 21. August 2019 an coolen Aktionen und Veranstaltungen rund um die JULIUS-CLUB-Bücher teilnehmen. Eine Auftakt- und eine Abschlussveranstaltung rahmen das           
                                        Sommerleseprogramm ein.

Und so funktioniert's:
Jedes Kind wählt aus mehr als 100 unterschiedlichen Buchtiteln mindestens zwei Bücher aus, liest und bewertet die Bücher anhand eines Bewertungsbogens im vorgegebenen Aktionszeitraum von knapp neun Wochen, gibt die Bewertungen im Kinder- und Jugendbereich der Stadtbibliothek ab und sichert sich damit ein JULIUS-Diplom, ein kleines Geschenk und eine Einladung zur Abschlussparty.

Für die Veranstaltungen, die stets im Zusammenhang mit einem oder mehreren Büchern aus der JULIUS-CLUB-Auswahl stehen, melden die Kinder sich in der Kinder- und Jugendbibliothek an.
Die Teilnahme an allen Veranstaltungen ist freiwillig und kostenlos.
Einige Osnabrücker Schulen erwähnen die Teilnahme am JULIUS-CLUB positiv im Zeugnis und unterstützen damit den Leseeifer der Kinder.

Das Team der Kinder- und Jugendbibliothek freut sich auf viele "JULIANER" und lädt alle Kinder und Jugendlichen, die in die 5. bis 8. Klasse gehen, schon jetzt herzlich ein, in diesem Sommer dabei zu sein.

Eine Anmeldung für den JULIUS-CLUB ist ab sofort unter www.julius-club.de bzw. über Anmeldeflyer, die in der Stadtbibliothek am Markt 1 ausliegen, ab Anfang Mai möglich.
Initiiert wurde der JULIUS-CLUB von der VGH Stiftung und der Büchereizentrale Niedersachsen und findet in diesem Jahr in 49 Bibliotheken in ganz Niedersachsen statt.
Ansprechpartnerin: Kathrin Schmidt, Dipl.-Bibliothekarin und Literaturpädagogin (ARS)
Telefon: 0541/ 323-2481 oder - 2299
E-Mail: schmidt.k@osnabrueck.de
 

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