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Nr.1 / 2015

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit einem Füllhorn literarischer Eindrücke und Kontakte von der brodelnden Leipziger Buchmesse wieder in Osnabrück zurück, freue ich mich, dem literaturinteressierten Publikum auch hier vor Ort hochkarätige und aktuelle Begegnungen mit Literatur anbieten zu können.
Lassen Sie sich inspirieren zur Auseinandersetzung mit Büchern und den Menschen dahinter, aber auch mit hochaktuellen Themen wie der großen Generationenfrage unserer Zeit oder der Aufarbeitung des 1. Weltkrieges und seiner Folgen.
Beschwingt wird es in diesem Jahr zum ‚romanistischen’ Welttag des Buches, bei dem sich am 22. April im Ledenhof alles um Literatur und Tanz dreht: Dürfen wir bitten?

Ihre
Beatrice le Coutre-Bick
Geschäftsführung und Projektleitung
und
Angelika Pues-Panagiotakis
Sekretariat

 

Veranstaltungsprogramm

Donnerstag, 16. April um 18.30 Uhr
Renaissancesaal Ledenhof, Am Ledenhof 3-5

Menschenrechte / Frauenrechte in Kolumbien
Gespräche und Lieder mit Ana Mercedes Pereira aus Bogotá

Der Abend mit der kolumbianischen Menschenrechtlerin und an der Sorbonne promovierten Anthropologin gibt Einblick in die oft schwierige Situation der Frauen in Kolumbien, die – von Gewalt bedroht – nicht selten zur Migration gezwungen sind. Zu dem Programm mit Liedern und Textbeiträgen, das u. a. die Frauenorganisation REMPAZ vorstellt, sind auch nicht Spanischsprechende herzlich willkommen.
Moderiert wird der Abend von Prof. Dr. Margit Eckholt, Institut für Katholische Theologie, und Prof. Dr. Susanne Schlünder, Institut für Romanistik/Latinistik der Universität Osnabrück.
Veranstalter: Institut für Katholische Theologie und Institut für Romanistik/Latinistik der Universität Osnabrück, Literaturbüro Westniedersachsen
Eintritt: frei

 

 

Samstag, 18. April um 18 Uhr
Renaissancesaal Ledenhof, Am Ledenhof 3-5

Adam Tooze: „Sintflut. Die Neuordnung der Welt 1916-1931“
Moderation: Alexander Solloch (NDR Kultur)

Von der schwierigsten Aufgabe der Menschheit erzählt der britische Historiker und brillante Stilist Adam Tooze in seinem neuen Buch „Sintflut“, vom Versuch, Frieden zu schaffen in einer Welt, die gerade vom Krieg verheert worden ist. Nachdem der Erste Weltkrieg vorbei war, hatte Europa kaum Zeit, Luft zu schnappen, zu geschunden war der Kontinent, zu verwickelt die Suche nach einer Friedensordnung. Amerika war jetzt Weltmacht, hatte aber kaum Lust auf weltweite Verantwortung, und in Europa gewannen radikale Kräfte an Einfluss. Mit seinem glänzend erzählten Buch liefert Adam Tooze eine neue Deutung der großen Umwälzungen und des verlorenen Friedens nach dem Ersten Weltkrieg.

Adam Tooze, geboren 1967, ist Professor für moderne deutsche Geschichte und Direktor für Internationale Sicherheitsstudien an der Universität Yale. Nach einem Studium der Volkswirtschaftslehre in Cambridge und an der Freien Universität Berlin und einer Promotion in Wirtschaftsgeschichte an der London School of Economics lehrte Tooze viele Jahre in Cambridge. Er ist Autor zahlreicher Studien zur (Wirtschafts-)Geschichte, seine Arbeiten sind vielfach preisgekrönt.

Eintritt: 7.-€ / ermäßigt 5.- €, für Studierende Eintritt: frei
Kartenreservierung: Literaturbüro Westniedersachsen, Tel.: 0541/202 79 08

 

 

Montag, 20. April um 20.00 Uhr
Theater, Domhof 10, Theaterfoyer

Osnabrück – das verlorene Paradies?
Hélène Cixous im Gespräch mit Cécile Wajsbrot über Herkunft, Sprache, Identität
Lesung: Maria Goldmann, Theater Osnabrück
Moderation: Andrea Grewe, Universität Osnabrück

Im Frühjahr 2014 erschien in der Zeitschrift Sinn und Form ein Interview, das Cécile Wajsbrot mit der 1937 in Algerien geborenen französischen Schriftstellerin Hélène Cixous führte. Cixous’ jüdische Familie stammt aus Osnabrück, ihre Mutter und Tante verließen die Stadt aber noch rechtzeitig. Die Autorin ist daher mit der deutschen Sprache aufgewachsen und hat sich ihre besondere Beziehung zu Deutschland bewahrt. Mit ihrem in französischer Sprache erschienenen Buch "Osnabrück" (1999) hat sie der Stadt der Mutter, jenem mythischen, aus Erinnerungen und Sprache gewebten Ursprungsort, ein Denkmal gesetzt. In "Benjamin nach Montaigne. Was man nicht sagen darf " (2001, dt. 2008) verarbeitete sie die Erfahrungen, die ihre Mutter und ihre Tante bei einem Besuch Osnabrücks in den 1990er Jahren gemacht hatten. Die Stadt hatte damals ehemalige jüdische Bewohner eingeladen.

Hélène Cixous und Cécile Wajsbrot lesen Passagen aus ihrem 2014 unter dem Titel „Osnabrück ist das verlorene Paradies. Nur nicht für mich“ veröffentlichten Gespräch. In einer Lesung wird eine Schauspielerin des Theaters Osnabrück Auszüge aus weiteren Texten vorstellen, in denen Hélène Cixous die Osnabrücker Vergangenheit ihrer Familie thematisiert. Die Lesung in Osnabrück bietet eine einzigartige Gelegenheit, um die faszinierende Autorin kennenzulernen und mit ihr gemeinsam „Erinnerungsarbeit“ zu leisten. Hélène Cixous gehört zu den großen französischen Schriftstellerinnen und Intellektuellen des 20. Jahrhunderts, die mit ihrem fiktionalen und essayistischen Werk den französischen Poststrukturalismus mitgeprägt hat. Sie ist eine der zentralen Vordenkerinnen des französischen Feminismus und gehörte zu den Mitbegründerinnen der Reformuniversität Paris 8, an der sie 1969 eine Professur für Englische Literatur erhielt. Seit 1982 ist die mit zahlreichen Preisen und Ehrendoktoraten ausgezeichnete Schriftstellerin die „Hausautorin“ Ariane Mnouchkines und ihres "Théâtre du Soleil".

Cécile Wajsbrot, geboren 1954 in Paris, stammt aus einer von Polen nach Frankreich emigrierten jüdischen Familie. Ihr Großvater wurde in Auschwitz ermordet. Mit ihren viel beachteten Berlin-Romanen wurde Wajsbrot zu den wichtigsten literarischen Mittlerfiguren zwischen Frankreich und Deutschland der letzten Jahre. 2014 wurde die heute in Paris und Berlin lebende Autorin mit dem Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis ausgezeichnet, im Wintersemester 2014/15 hat sie die Samuel-Fischer-Gastprofessur für Literatur am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der FU Berlin inne.

Veranstalter: Institut für Romanistik der Universität Osnabrück, Literaturbüro Westniedersachsen und Theater Osnabrück.
Mit freundlicher Unterstützung durch: Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit Osnabrück, Alfred-Gong-Gesellschaft, Deutsch-Französische Gesellschaft Osnabrück e. V., Felix-Nussbaum-Gesellschaft, Erich Maria-Remarque-Gesellschaft, Bureau du Livre.
Eintritt: 6.- / ermäßigt 4.- €
Kartenvorverkauf: Theater, Tel.: 0541/ 76 000 66 oder karten@theater.osnabrueck.de

 

 

Mittwoch, 22. April ab 20 Uhr
Steinwerk Ledenhof

Sant Jordi: Literatur in Bewegung - Aufforderung zum romanistischen Tanz

Zum Welttag des Buches laden Studierende, Dozentinnen und Dozenten der Universität Osnabrück und das Literaturbüro Westniedersachsen zu einem romanistischen Abend ins Steinwerk Ledenhof in Osnabrück ein. In Kooperation mit den Altstädter Bücherstuben, der Deutsch-Französischen sowie der Deutsch-Italienischen Gesellschaft Osnabrück wird zum vierten Mal der „Día del libro“ mit einem vielfältigen Programm gefeiert.

Am Feiertag des Heiligen Georg (Sant Jordi) ist es in Katalonien bis heute üblich, einer geliebten Person eine Rose und ein Buch zu schenken. Aus dieser Tradition, die jedes Jahr am 23. April begangen wird, ist der internationale Tag des Buches entstanden. Am Georgstag verwandeln sich die spanischen Städte alljährlich in einen literarischen Raum. Der 23. April ist zudem der Todestag weltberühmter Schriftsteller wie Miguel de Cervantes, William Shakespeare, Garcilaso de la Vega (el Inca) und des katalanischen Schriftstellers Josep Pla.

Der historische Ledenhof bietet die passende Atmosphäre für das stimmungsvolle Programm rund um das diesjährige Thema „Tanz“. Lesungen aus Lyrik und Prosa der Romania, begleitet von Musik, Tanzdarbietungen und Bildimpressionen erzählen über das Thema des Abends. Bei Tanzeinlagen zum Mitmachen von Tango über Salsa bis zur Sardana kommt Literatur buchstäblich in Bewegung.
Ein Büchertisch lädt begleitend ein zum Stöbern, und wer zwischen Hör- und Leseprobe noch Appetit bekommt, kann am Buffet regionale Leckereien kosten.
Eintritt: frei

 

 

Donnerstag, 21. Mai um 19.30 Uhr
Renaissancesaal Ledenhof, Am Ledenhof 3-5

„Die schamlose Generation“
Der Autor und Journalist Sven Kuntze zieht Bilanz

Unstillbare Wachstumsgier, das große Fressen auf Kosten der Zukunft, Erfinder der hirnlosen „Alternativlosigkeit“ – Sven Kuntze geht mit seiner eigenen Generation in seinem Buch „Die schamlose Generation“ hart ins Gericht. Keine vorher war so selbstbestimmt, frei und in Frieden gesättigt, keine kam ihren Träumen so nah. Und was hat sie aus ihren Möglichkeiten gemacht? Sven Kuntzes Abrechnung mit dieser Generation, die mehr beansprucht als ihr zusteht, ist unnachsichtig. Zornig sieht er den Effekt, dass Klima, Ressourcen und Visionen einer allseitigen Ökonomisierung zum Opfer gebracht werden. Das Protestpotential der Jungen sieht er durch die verständnisinnige, aber tödliche Umarmung der Älteren neutralisiert. Also nach uns die Sintflut – oder gibt es noch eine Chance, ein positives Zeichen zu setzen?

Sven Kuntze studierte Soziologie, Psychologie und Geschichte an der Universität Tübingen und war für den WDR in Bonn, New York und Washington tätig. Er moderierte das ARD Morgenmagazin und arbeitete in Berlin als Hauptstadtkorrespondent. Seit 2007 ist Sven Kuntze als freier Journalist und Moderator tätig.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe „LiteraturWerkstatt“des Literaturbüros Westniedersachsen und der Volkshochschule Osnabrück.
(Copyright des Bildes: Randomhouse)

Eintritt: 8.- € / ermäßigt 6.- €
Anmeldung und Information: vhs Osnabrück, Tel.: 0541/323 - 22 43

 

 

bis 11. April
Ausstellung in der Stadtbibliothek Osnabrück, Markt 1
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 15 Uhr

Buchkunst aus der DDR: Klaus Ensikat

Die vom Literaturbüro Westniedersachsen und der Stadtbibliothek Osnabrück in Kooperation mit dem Osnabrücker Künstler Wilfried Bohne ins Leben gerufene Reihe „Buchkunst aus der DDR“ wird 2015 fortgesetzt mit einer Ausstellung von Werken des international ausgezeichneten Buchillustrators Klaus Ensikat.

Klaus Ensikat, geboren 1937 in Berlin, studierte 1954 bis 1958 an der Fachschule für angewandte Kunst in Berlin-Oberschöneweide und arbeitete bis 1960 als Gebrauchsgrafiker. 1961–1962 übernahm er einen Lehrauftrag beim Verband Bildender Künstler und war bis 1965 Lehrer an der Fachschule für bildende Kunst. Seitdem lebt er freischaffend in Berlin.
Ensikats Grafiken erschienen in Zeitschriften der DDR wie "Das Magazin" und "Eulenspiegel". Neben Werken von Peter Hacks, J. R. R. Tolkien, Mark Twain und anderen illustrierte er vor allem zahlreiche Kinderbücher. Seine filigranen Illustrationen wurden vielfach ausgezeichnet, u.a. 1975 mit der Goldmedaille auf der KNIGA in Moskau, 1979 mit dem Großen Preis der Biennale der Illustratoren in Bratislava, 1984 mit dem Katalanischen Preis der Internationalen Ausstellung der Kinderbuchautoren in Barcelona, 1989 mit dem Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig und 1992 dem Premio Grafiko der internationalen Kinder- und Jugendbuchmesse in Bologna und dem Troisdorfer Bilderbuchpreis.
Von 1995 bis 2002 war Ensikat Professor für Zeichnen an der Fachhochschule Hamburg. 1995 erhielt er den Kinderliteraturpreis, und 1996 wurde sein Lebenswerk mit dem international bedeutendsten Kinderbuchpreis gewürdigt, dem Hans-Christian-Andersen-Preis des „International Board on Books for Young People“ (IBBY). Am 24. November 2007 erhielt er den Thüringer Märchen- und Sagenpreis „Ludwig Bechstein“.

Klaus Ensikat begeistert Jung und Alt mit seinen Illustrationen zahlreicher Klassiker der Weltliteratur wie u. a. Diderot (Eulenspiegel Verlag, Berlin, 1986), Herman Melville (Benziger Verlag, Zürich, 1987), Mark Twain (Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1996), Brüder Grimm: Die Bremer Stadtmusikanten. (Altberliner Verlag, Berlin 1994), J. R. R. Tolkien: Der kleine Hobbit (dtv, Deutscher Taschenbuchverlag, München 1974) oder Erwin Strittmatter (Aufbau-Verlag, Berlin 2006).
Eintritt: frei

 

 

B U C H T I P P

Volker Issmer: Mein herzliebster Bruder im Fleisch und in Christo! – Armada –
Geest-Verlag 2014
ISBN 978-3-86685-500-7
ca. 327 S., 12,50 €

Das 16. Jahrhundert geht seinem Ende zu, in Europa sind die Kriege zwischen den Konfessionen voll entbrannt. Miguel de Cordura, aufgewachsen in der spanischen Festung Lingen an der Ems, verschlagen die Wirren der Zeit von den Niederlanden bis nach Irland, der Heimat seiner Mutter. Als Soldat in spanischen Diensten erlebt er die ganze Brutalität der Religionskriege mit. Desillusioniert kehrt er nach dem Scheitern der Armada (1588) auf den Kontinent zurück. Als Cord Grothaus, sein Jugendfreund, mit dem „Blutbad im Gehn“ bei Bramsche (1591) eine alte Rechnung mit der Stadt Osnabrück begleicht, greift er ein und bereitet dem Morden ein Ende.

Sein Leben schildert Miguel in Briefen an den Bruder, der sich als Jesuit in den „Reduktionen“ von Paraguay für den Schutz der Eingeborenen einsetzt.
Ist es gerechtfertigt, im Namen Gottes und der Religion Kriege zu führen und Gewalt anzuwenden? Das Buch gibt eine klare Antwort darauf.


Volker Issmer
1943 in Glatz/Schlesien geboren, veröffentlichte 1998 den zweisprachigen Sammelband "Niederländer im Verdammten Land" sowie 2000 die Dokumentation "Das Arbeitserziehungslager Ohrbeck bei Osnabrück", mit der er 2003 zum Dr. phil. promoviert wurde. In weiteren Werken setzte er sich dokumentarisch oder literarisch vor allem mit Grundfragen des Nationalsozialismus auseinander: "Als Mitläufer (Kategorie IV) entnazifiziert" (2001); "Die Reise des Grals" (2005); "Der tolle Christian" (2006); "Zahngold" (2008); "The Master‘s Lot" (2009); "Fremde Zeit - Unsere Zeit" Teil I (2011) und Teil II (2012). Hinzu kommen zahlreiche Zeitungs- und Zeitschriftenaufsätze.
Der in Osnabrück lebende Historiker und frühere Lehrer ist Träger des Marion-Samuel-Preises 2002 der Stiftung Erinnerung. 2003 bekam er die Auszeichnung des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land e. V. und im September 2003 die Ehrengabe der Stadt Georgsmarienhütte.

Die Buchpremiere findet statt am 25. März 2015 um 19.00 Uhr im Forum Am Dom/Diözesanmuseum. Die Handlung des Buches thematisiert u. a. Intoleranz und Gewalttätigkeit, religiöse Auseinandersetzungen, Religionskriege, deren Opfer vor allem Frauen sind. Es geht auch um ethisch-moralische Fragen wie die nach Machtmissbrauch und Schuld, Sühne und Vergebung.

 

Literaturbüro Westniedersachsen

Am Ledenhof 3 - 5
49074 Osnabrück
Tel.: 0541 / 2 86 92
Fax: 0541 / 3 23 - 43 33